Das Geheimnis des Pfirsichbaums
Ein Samen möchte sofort ein großer Baum sein und lernt, warum gute Dinge Zeit brauchen. (5-9 Jahre, 2 Min.)
Ein kleiner Pfirsichkern fiel von einem Tisch und kullerte in einen Garten, wo er in der weichen Erde liegen blieb. „Aua“, sagte er, „das war ein Sturz.“ Dann sah er sich um. Über ihm wuchsen riesige Bäume, ihre Äste reichten bis in den Himmel, und ihre Früchte leuchteten in der Sonne.
„Das will ich auch!“, rief der Kern. „Ich will sofort ein Baum werden, groß und stark, mit vielen saftigen Pfirsichen!“
Er strengte sich an. Er spannte sich, kniff die Augen zu und wartete. Aber nichts geschah.
Da kam der Regen und tröpfelte sanft auf die Erde. „Warte noch ein bisschen“, sagte er. „Ich bin gerade dabei, dich zu tränken.“
Der Kern wartete. Nichts. Er wurde ungeduldig.
Dann kam die Sonne und wärmte den Boden. „Noch ein wenig Geduld“, sagte sie. „Ich arbeite daran.“
Der Kern seufzte, aber er wartete weiter.
Und tief unter der Erde, wo es niemand sehen konnte, geschah etwas Wunderbares. Aus dem Kern wuchsen kleine Wurzeln, erst zart wie Fäden, dann kräftiger. Sie hielten sich fest und tranken Wasser. Und eines Morgens schob sich ein winziger grüner Spross durch die Erde und streckte sich dem Licht entgegen.
Der Spross wuchs, jeden Tag ein kleines bisschen. Im Winter ruhte er sich aus. Im Frühling trieb er Blätter. Jahr für Jahr wurde er größer.
Viele Jahre später stand an derselben Stelle ein mächtiger Pfirsichbaum. Im Sommer hingen Hunderte Früchte an seinen Ästen, und im Schatten seiner Krone spielten Kinder und aßen saftige Pfirsiche.
Da verstand der Baum, was Regen und Sonne damals gemeint hatten. Die schönsten Dinge wachsen nicht in einem Augenblick. Sie wachsen leise, Tag für Tag.